The Massacre at Paris spielt in der Zeit vom 18. August 1572 bis zum 2. August 1589 – mitten in den französischen Religionskriegen, bei denen selbst die beteiligten Parteien nicht immer durchschauten, was wie mit wem warum passierte.1 Je weiter die Auseinandersetzungen fortschritten, desto offensichtlicher wurde, dass der Glaube dabei nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. Die Bürgerkriege darf man nicht ausschließlich unter dem religiösen Aspekt betrachten – sie waren auch der Kampf des französischen Adels um die Bewahrung seiner Eigenständigkeit gegen die beginnenden absolutistischen Tendenzen des Königshauses. Einen Kampf, den erst Louis XIV. endgültig für sich entscheiden konnte.

Stambaum Religionskriege in Frankreich. Privatbesitz. © 2022
Am 10. Juli 1559 starb Henri II. Damals waren ca. 12 Prozent der Franzosen Hugenotten2 – in Frankreich die übliche Bezeichnung für die Calvinisten. Sein Nachfolger, François II., war körperlich wie geistig unterentwickelt und den Aufgaben, die vor ihm lagen, nicht gewachsen. In dem entstandenen Machtvakuum wollten führende Adelsfamilien ihren Vorteil suchen. Louis de Condé, ein Prinz von Geblüt, übernahm die Führung der Hugenotten; das Haus Guise gewann auf der katholischen Seite an Bedeutung, denn der neue König war mit Mary Stuart, Tochter des verstorbenen schottischen Königs James V. und Marie de Guise, verheiratet. Bevor der erste große Konflikt ausbrechen konnte, starb François II. ohne Nachkommen. Sein Bruder Charles IX. war noch minderjährig. Statt seines nächsten männlichen Verwandten – Antoine de Bourbon, erster Prinz von Geblüt – übernahm seine Mutter Caterina de' Medici die Regentschaft. Sie war sowohl darauf bedacht, die politische Bedeutung der Adelsfamilien zu minimieren, als auch die Konfessionen miteinander auszusöhnen. Mit dem Toleranzedikt von Saint-Germain gab es erstmals eine Anerkennung der Hugenotten durch die französische Krone. Leider führte das geradewegs in die Katastrophe. Am 1. März 1562 kam es in Vassy zu einer Konfrontation zwischen den Männern des Herzogs de Guise und einer größeren Gruppe von Hugenotten, die sich zum Gebet versammelt hatten. Der genaue Verlauf der Ereignisse wurde nie ganz geklärt. Am Ende blieben etliche Tote zurück, und das sogenannte "Massaker von Vassy" markierte den Anfang der französischen Religionskriege.
1. Religionskrieg (1562-1563)
Condé rief nach Vassy die Hugenotten zu den Waffen. Guise fand sich nicht, wie befohlen, am Hof in Fontainebleau ein, ließ sich stattdessen in Paris von der katholischen Bevölkerung als Held feiern und begann seinerseits Truppen auszuheben. Das Ausland war von Beginn an in die Bürgerkriege involviert – schon allein deshalb, weil Frankreich außer schwerer Kavallerie an den Grenzen über kein stehendes Heer verfügte und Söldner anwerben musste. Auch während der folgenden Kriege waren die Fraktionen selten in der Lage, ihre Armeen länger als zwei bis drei Monate zu bezahlen. Im Februar 1563 schoss der Hugenotte Jean de Poltrot auf den Herzog de Guise, der gerade Orléans belagerte. Am 24. Februar starb der Herzog, der eher der Kunst der Ärzte als seinen Wunden erlag. Als Auftraggeber des Attentats vermutete man Gaspard de Coligny – ob zu Recht oder nicht, konnte nie festgestellt werden. Jedenfalls begann damit die Fehde zwischen Guise und Coligny. Da sämtliche Anführer entweder tot oder gefangen waren, drängte Caterina de' Medici zum Frieden. Das Edikt von Amboise vom 19. März war bei beiden Konfessionen unbeliebt, zeigte aber Wirkung.
2. Religionskrieg (1567-1568)
Truppenbewegungen an der niederländisch-französischen Grenze ließen die Hugenotten vermuten, der König würde sich mit Spanien gegen sie verbünden. Dem wollten sie zuvorkommen und Charles IX. unter ihre Kontrolle bringen. Als der König und seine Mutter am 24. September 1567 davon erfuhren, konnten sie gerade noch nach Meaux flüchten, um von dort nach Paris zu gelangen. Diese "Überraschung von Meaux" war nicht nur der Beginn des 2. Religionskriegs, sondern bewirkte bei Caterina de' Medici auch ein grundlegendes Umdenken: Fortan würde sie den Hugenotten nicht mehr trauen und verzieh ihnen nie, dass sie die Autorität des Königs angegriffen hatten. Am 23. März 1568 wurde der Friede von Longjumeau geschlossen, doch die Konflikte gingen weiter.
3. Religionskrieg (1568-1570)
Charles IX. hatte den Oberbefehl über die königliche Armee seinem Bruder Anjou übertragen. Der drängte darauf, seine militärischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Die Hugenotten zogen sich nach La Rochelle zurück. Am 13. März 1569 wurde Condé erschossen. Nominell waren sein Sohn und Henri de Navarre nun die Führer der Hugenotten – tatsächlich übernahm diese Position Admiral Gaspard de Coligny. Anjou gelang am 3. Oktober in der Schlacht von Moncontour ein triumphaler Sieg, den die Katholiken allerdings nicht zu ihrem Vorteil nutzen konnten. Coligny hingegen führte einen erfolgreichen Feldzug, der ihn immer näher an Paris heranbrachte. Der Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye vom 8. August 1570 räumte den Hugenotten bis dahin ungekannte Zugeständnisse ein.
Caterina de' Medici wollte den Frieden besiegeln, indem sie ihre Tochter Marguerite mit dem hugenottischen Henri de Navarre, dem ersten Prinzen von Geblüt, verheiratete. Die Verhandlungen gestalteten sich schwierig, aber erfolgreich. Nun sollten sich erstmals alle maßgeblichen Männer beider Fraktionen mit ihrem Gefolge zur selben Zeit am selben Ort aufhalten.
Die Bartholomäusnacht (23./24. August 1572)
Paris war eines der Zentren der besonders konservativen Katholiken, die seit Juli zusehen mussten, wie immer mehr Hugenotten in die Stadt strömten. Es herrschte eine furchtbare Hitze, und die französische Hauptstadt war hoffnungslos überfüllt. In dieser spannungsgeladenen Atmosphäre fand am 18. August 1572 die Hochzeit zwischen Marguerite und Henri de Navarre statt. Am 22. August wurde Admiral Coligny auf dem Heimweg Opfer eines Attentats, das er jedoch überlebte. Obwohl Coligny zur Besonnenheit mahnte und Charles IX. versprach, für Gerechtigkeit zu sorgen, entstand unter der Pariser Bevölkerung eine zunehmende Unruhe. Am 23. August 1572 gab es ab dem Nachmittag zwei bis drei informelle Treffen des Kronrats. Bei der ersten Beratung, die im Garten der Tuilerien stattfand, waren Caterina de' Medici, Anjou, Maréchal Gaspard de Tavannes, Retz, Gonzague und René de Birague anwesend. Der König soll erst bei einer nächtlichen Zusammenkunft im Louvre dazugekommen sein. Zu diesem Zeitpunkt stießen eventuell auch der Herzog de Guise und der Herzog de Montpensier dazu. Am Hof machte sich Angst vor einem möglichen Gegenschlag der Hugenotten breit. Heute weiß man, dass so ein Unternehmen nicht geplant war, doch die Annahme war nicht von der Hand zu weisen. Statt Paris nach dem Attentat zu verlassen, hatten Coligny und seine Leute sich zum Bleiben entschlossen. Der Schwager des Admirals stand mit 4.000 Mann vor der Hauptstadt, die vorübergehend von zahlreichen verärgerten Hugenotten bevölkert war. Man beschloss, es nicht so weit kommen zu lassen, und am Abend des 23. August war Charles IX. dazu gebracht worden, der Tötung der führenden Hugenotten zuzustimmen.3 Bald darauf verloren die Verantwortlichen gänzlich die Kontrolle. Aus dem geplanten Erstschlag wurde ein tagelanges Massaker, das das ganze Land erfasste und dem Tausende zum Opfer fielen.

François Dubois. Le massacre de la Saint-Barthélemy. 1584. Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne. CC0
4. Religionskrieg (1572-1573)
Die Bartholomäusnacht war der Auftakt zum nächsten Religionskrieg und erzwang eine Neuausrichtung der hugenottischen Führung. Aus der Opposition gegen den Katholizismus wurde eine gegen die Krone, der offenbar nicht daran gelegen war, ihre hugenottischen Untertanen zu schützen. Während die katholischen Truppen einige hugenottische Städte belagerten, wurde Anjou zum König von Polen gewählt. Der Hof drängte auf Frieden, da Polen als religiös tolerantes Land galt und man Anjous Wahl nicht gefährden wollte. Am 13. Juli 1573 wurde das Edikt von Boulogne unterzeichnet; im Dezember brach Anjou nach Polen auf. Am 30. Mai 1574 starb Charles IX. ohne legitime Nachkommen.
Am Hof hatte sich unterdessen eine neue Gruppe gebildet. Henri de Montmorency-Damville stand an der Spitze der "malcontents" – der Unzufriedenen. Sie rekrutierten sich aus alteingesessenen Adelsfamilien, für die nicht die Hugenotten, sondern die Ausländer – namentlich die Italiener – in der Umgebung des Königs für die dauernden Fehden und die schlechte Staatsführung verantwortlich waren. Erstmals wurden hier die Konfessionen außer Acht gelassen: Damvilles Gruppe zählte Katholiken wie Hugenotten. Zurück aus Polen wurde Anjou am 13. Februar 1575 zu Henri III. gekrönt.
5. Religionskrieg (1575-1576)
François-Hercule de Valois, Herzog von Alençon, der immerhin der Nächste in der Thronfolge war, schloss sich den "malcontents" an; Henri de Navarre begann eine Armee auszuheben. Caterina de' Medici griff ein, doch alle Trümpfe lagen bei Alençon. Das Edikt von Beaulieu vom 6. Mai 1576 – bekannt als "Paix du Monsieur" (Herrenfrieden) – erlaubte den Hugenotten erstmals im ganzen Land die freie Ausübung ihrer Religion.
Die katholische Bevölkerung war entsetzt, und landesweit formierte sich Widerstand. Mitte November trafen die Generalstände in Blois ein. Schon bald zeichnete sich ab, dass viele Katholiken bereit waren, den Herrenfrieden notfalls mit Gewalt zu unterlaufen. Henri III. geriet erneut in Bedrängnis. Zwar war er mit dem Friedensvertrag nicht einverstanden, doch er hatte ihn unterzeichnet – und konnte nun nicht zulassen, dass im ganzen Land Katholiken gegen ein Gesetz des Königs aufbegehrten. Am 2. Dezember machte er sich selbst zum Führer der katholischen Opposition. Damit blieb dem Monarchen keine andere Wahl, als den Friedensvertrag zu brechen.
6. Religionskrieg (1576-1577)
Aufgrund der Entwicklungen in Blois griffen die Hugenotten Ende Dezember 1576 zu den Waffen. Keine Partei verfügte über ausreichend Finanzen für einen längeren Konflikt, was am 14. September 1577 zum Frieden von Bergerac führte – der im Unterschied zum vorangegangenen Herrenfrieden "Paix du Roy" (Königsfrieden) hieß. Das drei Tage später verabschiedete Edikt von Poitiers schränkte zwar die Freiheiten ein, die den Hugenotten im Herrenfrieden garantiert worden waren, stellte aber einen Kompromiss dar, mit dem beide Seiten hätten leben können, wenn sie es denn gewollt hätten.
7. Religionskrieg (1580)
Streitigkeiten um die nicht vollständig ausbezahlte Mitgift Marguerites verursachten im Frühjahr 1580 militärische Auseinandersetzungen zwischen Henri de Navarre und der französischen Krone. Beiderseitiger Geldmangel führte bereits am 26. November zum Frieden von Fleix, der den Frieden von Bergerac bestätigte.
Am 10. Juni 1584 starb Alençon kinderlos in Château-Thierry. Der nächste französische Thronfolger war damit der hugenottische König von Navarra. Die Katholiken schlossen sich 1585 unter der Führung des Herzogs von Guise in der Heiligen Liga zusammen, und eine dritte Partei im Bürgerkrieg entstand. Der König reagierte mit Rückzug in seine Gemächer, denn hatte Guise nichts entgegenzusetzen. Die Liga erreichte, dass Henri III. Navarre von der Thronfolge ausschloss. Dieser protestierte heftig und fand Unterstützung bei Damville, der im Machtstreben des Herzogs von Guise mittlerweile eine größere Gefahr sah als in der Ausbreitung des Calvinismus.
8. Religionskrieg (1585-1594)
Ende 1585 brach der "Guerre des trois Henris" – der Krieg der drei Heinriche – aus. Trotz militärischer Erfolge der Hugenotten, etwa in der Schlacht von Coutras, behielt der Herzog von Guise in Frankreich die Oberhand. Am 12. Mai 1588, dem "Tag der Barrikaden", stellte sich die Pariser Bevölkerung hinter Guise, worauf Henri III. seine Hauptstadt heimlich verließ. Als der Herzog von Guise und sein Bruder Louis auf Befehl Henri III. ermordet wurden, erhielt die Liga noch mehr Zuspruch. Da er allein nichts mehr gegen seine Untertanen ausrichten konnte, verbündete sich der König mit Henri de Navarre. Gemeinsam marschierten sie auf Paris. Während der Belagerung der Hauptstadt wurde der letzte König aus dem Hause Valois ermordet. Henri III. war der erste französische Herrscher, der durch die Hand eines seiner Untertanen starb.
Henri de Navarre war damit de jure König von Frankreich – de facto wollten ihm das nur wenige zugestehen. Es brauchte noch fast fünf Jahre, bis die Mehrheit der Franzosen ihren neuen Herrscher anerkannte.