The Jew of Malta

The Famous Tragedy of the Rich Jew of Malta (Die berühmte Tragödie des reichen Juden von Malta) entstand zwischen 1590 und 1592 und war eines der meistgespielten und einträglichsten Stücke seiner Zeit.

Handlung

→ Handlung von The Jew of Malta

Text

Das Drama besteht aus 1.836 Sätzen mit insgesamt 18.328 Wörtern und einem Vokabular von 2.999 Wörtern. Vierzehn davon verwendete Marlowe erstmals in einer neuen Bedeutung, vierzehn weitere überhaupt zum ersten Mal, drei in einer bis dahin unbekannten grammatischen Konstruktion, und drei kommen in dieser Bedeutung nur bei ihm vor.1

Entstehung

Das genaue Entstehungsdatum ist unbekannt. Der Hinweis auf den Tod von Henri de Lorraine, Herzog von Guise schließt eine Fertigstellung vor dem 23. Dezember 1588 aus. Die erste Aufführung verzeichnete Philip Henslowe für den 7. März 1592, ins Stationers' Register wurde das Drama erst am 17. Mai 1594 eingetragen. Wahrscheinlich ist diese Ausgabe nie gedruckt worden. Der früheste erhaltene Druck entstand neununddreißig Jahre später, womit The Jew of Malta das einzige erhaltene englische Drama des 16. Jahrhunderts ist, das erst in den 30er Jahren des folgenden Jahrhunderts in Druck ging.2 Neben dem Stücktext enthält dieses Quarto eine Widmung von Thomas Heywood für den Anwalt Thomas Hammon sowie zwei Prologe und Epiloge, die ebenfalls von Heywood stammen.

Überarbeitet von Thomas Heywood?

Als man Marlowe im 19. Jahrhundert wiederzuentdecken begann, stellte The Jew of Malta ein Problem dar. Mit Edward Dowdens Transcripts and Studies (1888) setzte eine Verherrlichung ein, die Marlowes Werk als eine Art Autobiografie las und die Dramengestalten zum Sprachrohr des Dichters erklärte. Marlowe wurde zum Vorläufer der Romantiker.3 Ein solches Genie konnte Tamburlaine, Faustus und Edward II. hervorbringen, aber Barabas passte nicht in dieses schwärmerische Konzept. Dazu kam die Überzeugung, ein Künstler wie Marlowe könne nur tiefgehende Tragödien schreiben. Dem Anfang des Stücks bescheinigte man hohe Kunstfertigkeit, den Schluss hielt man für ein eiliges Machwerk.4 Zusammen mit der späten Drucklegung und den Zusätzen Heywoods nährte das die Theorie, das gesamte Drama stamme gar nicht aus Marlowes Feder. Mittlerweile gibt es dazu mehrere Thesen.5

Erst T. S. Eliot widersprach 1919 der allgemeinen Auffassung:

"[…] if one take The Jew of Malta not as a tragedy or as a 'tragedy of blood', but as a farce, the concluding act becomes intelligible […]"6

Bis sich die Wissenschaft dieser Ansicht anschloss, dauerte es noch viele Jahre. Kenneth Friedenreich stellte letztlich die entscheidende Frage: Warum hätte Heywood eine gründliche Überarbeitung für 1633 ausgerechnet in der Mitte des Stücks beginnen und warum nur die Hälfte für revisionsbedürftig halten sollen?7

Quellen

Eindeutige literarische Vorlagen scheint es nicht zu geben, obwohl vorher schon auf englischen Bühnen Juden dargestellt worden waren. Die Frage, warum die Handlung ausgerechnet auf Malta stattfindet, ist nicht unberechtigt, denn einige Angaben Marlowes zur örtlichen Beschaffenheit sind überraschend genau, andere völlig falsch, beginnend bei der Tatsache, dass dort wie in England kaum Juden lebten.8 Malteser sind auf der Insel laut Marlowe ebenso wenig zu Hause.9 Das stärkt die Vermutung, der Handlungsort sei trotz aller Übereinstimmungen mit dem wirklichen Malta ein konstruierter, zugeschnitten auf die Erwartungen des elisabethanischen Publikums.10

Die durchwegs positive Darstellung der osmanischen Abgesandten, vor allem im Vergleich mit den Spaniern, könnte propagandistische Hintergründe haben. Die Engländer lebten damals in der Angst vor einer katholischen Weltverschwörung. Eine Bedrohung durch die Osmanen war ihnen dagegen völlig fremd, und politisch wie wirtschaftlich gab es tatsächlich Annäherungen an das Osmanische Reich.11 Andersgläubige ehrlicher und vertrauenswürdiger als die Katholiken darzustellen, kam vor einem breiten Publikum vermutlich nicht ungelegen.

Themen

Mehr Antikatholizismus als Antijudaismus

In Marlowes unmittelbarer Umgebung gab es so gut wie keine Juden. Edward I. hatte am 18. Juli 1290 ein Ausweisungsedikt erlassen, das erst 1655 aufgehoben wurde. Zu einer erneuten, minimalen Ansiedelung kam es nach dem Alhambra-Edikt von 1492, das die Juden aus Spanien vertrieb. Ab den 1530er Jahren konnte man von einer kleinen jüdischen Gemeinde in London sprechen, die auf etwa hundert Mitglieder wuchs und kaum Aufmerksamkeit erregte. Erst unter Elizabeth I. erlangten Hector Nuñez und Rodrigo Lopez für kurze Zeit wirtschaftliche wie politische Bedeutung, ohne dass ihre eigentliche Religion nach außen hin eine Rolle gespielt hätte.12

Als Geldverleiher, dem traditionell "jüdischen" Beruf, waren Juden in England seit dem Mittelalter nicht tätig. Wer in London Geld brauchte, ging zu Männern wie Horatio Palavicino, der Leicesters Kampfeinsatz in den Niederlanden finanzierte, zu Thomas Sutton oder Philip Henslowe. Zehn Prozent Zinsen galten als fair und lagen weit über dem, was die jüdischen Finanziers auf dem Festland mit oft sechs Prozent verlangten.13 Barabas entsprach nicht dem stereotypen Bild des bösen Juden aus dem Mittelalter, sondern war die Personifizierung des modernen, aufstrebenden, internationalen Kapitalisten, den man dort noch nicht allzu lange kannte.

Ironischerweise war das Fehlen von Juden für die Manifestierung antisemitischer Stereotype viel hilfreicher. Man konnte sie auf der Kanzel der abscheulichsten Taten und widerlichsten Riten beschuldigen, ohne – wie auf dem Kontinent – damit rechnen zu müssen, dass aufgebrachte Christen im nächsten Ghetto ein Massaker anrichten würden.14 In den Augen des elisabethanischen Publikums und mit Sicherheit auch in Marlowes war ein Jude eine abstrakte Figur aus der Bibel, der Geschichte oder fremden Ländern, keineswegs eine reale Person, mit der man im eigenen Land Geschäfte machte. Er war nicht begreifbar, weil es ihm gelingen konnte, durch eigenes Können zu Geld und Ansehen zu kommen, womit er im Widerspruch zur hierarchischen Gesellschaftsordnung stand und zum Topos für die Angst vor sozialer Veränderung wurde.15 Die Ablehnung des Elisabethaners resultierte aus politischen und religiösen Überlegungen, keinesfalls aus rassischen Vorurteilen.16 Wahrscheinlich machte sich weder Marlowe noch sein Publikum Gedanken darüber, ob dieses Drama antijudaistische Animosität heraufbeschwören würde. Der Gedanke lag der Zeit fern, und es fehlten reale Mitmenschen, die solche Animositäten tatsächlich verspürt hätten. Dem typischen elisabethanischen Feindbild entsprachen Juden ohnehin nicht. Diese Position blieb Männern wie Henri de Lorraine, Herzog von Guise oder Philipp II. von Spanien und den Katholiken vorbehalten. Das wirklich Perfide in The Jew of Malta liegt somit nicht in der Präsentation bekannter Stereotype, sondern darin, dass Marlowe sein Publikum in das Dilemma brachte, sich entweder für den Juden oder die Katholiken entscheiden zu müssen.17

Interkonfessioneller Wortbruch

Noch vehementer als in 1 Tamburlaine wird in The Jew of Malta die Maxime propagiert, man müsse gegenüber Andersgläubigen nicht Wort halten. Angeblich geht sie auf das Konzil von Konstanz zurück, bei dem Jan Hus eine Immunität zugesichert wurde, die ihn direkt auf den Scheiterhaufen brachte. Dieses Verhalten wurde in unterschiedlichen Schriften wie Thomas Luptons A Persuasion from Papistrie (1581) und Jean Bodins Six Livres de la République behandelt.18 Marlowe hätte sich dafür nicht in Schriften vertiefen müssen, ein Blick in die alltägliche Politik hätte genügt. Karl V. versprach den Juden Neapels 1533 gegen 10.000 Dukaten einen Aufschub ihrer Ausweisung um zehn Jahre und brach sein Wort sieben Jahre später. Henri II. weigerte sich, seine Schulden an Gracia Mendes zu zahlen, als Gerüchte aufkamen, sie praktiziere heimlich wieder den jüdischen Glauben. Eine päpstliche Bulle von 1555 schloss die Juden ohnehin dezidiert von christlicher Nächstenliebe und Toleranz aus.19 Faktisch war der Wortbruch zwischen Christen und Juden im ausgehenden 16. Jahrhundert weniger häufig als der zwischen Christen und Christen. Gerade während der französischen Religionskriege wurden Vertragsbrüche auf beiden Seiten mit der Andersgläubigkeit des Gegners begründet. Mit The Massacre at Paris widmete Marlowe dieser Entwicklung ein eigenes Werk.

Kapitalismus

Vom Beginn der Reformation bis in die 1570er Jahre waren die Engländer mit nationalen Problemen beschäftigt. Unter Elizabeth I. kam das Land innerlich zur Ruhe und konnte sich um Außenpolitik und internationalen Handel kümmern. Englische Händler und Investoren übernahmen die Methoden der Unternehmer vom Festland, was etliche Zeitgenossen als schändlichen ausländischen Einfluss und als Verfall ethischer Werte kritisierten.20 Auf dem Kontinent war die Habsucht schon länger eine der bestimmenden Triebfedern der gesellschaftlichen Evolution, und ihren ersten Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in der elisabethanischen Epoche. Das magische Wort, das die Aufmerksamkeit aller erregte, lautete: Geld. Abenteurer, Aufsteiger, Glücksritter, Neureiche und Ausbeuter hatten ihre Sternstunden.21

Marlowes Helden passen hervorragend in diese Zeit. Rücksichtsloses Streben nach Macht und Vermögen kehrt in seinem Werk wiederholt wieder, nirgends jedoch so augenscheinlich wie in The Jew of Malta. Diesem Malta fehlen, wie zuvor erwähnt, die Malteser. Es gibt Italiener, Spanier, Osmanen, Afrikaner und Juden. Die Absenz einer geografischen Zugehörigkeit durch Geburt verstärkt den Eindruck, dass den handelnden Personen Beweggründe wie Patriotismus oder Nationalismus fremd sind. Sie werden von persönlichem Eigennutz getrieben, der nicht fragt, woher jemand kommt, sondern was aus dem Ort, an dem man sich gerade befindet, für einen selbst herauszuholen ist.22 Das einigende Moment dieser heterogenen Gesellschaft ist die Gier nach Reichtum in etlichen Variationen.23

Abigail gilt als wertvolle Ware, in die Barabas investiert hat. Sobald sie sich weigert, diese Funktion weiter zu erfüllen, ersetzt er sie durch Ithimore, die nächste Investition.24 Nicht umsonst war es Marlowe, der erstmals einen Sklavenmarkt auf die englische Bühne brachte.25 Menschliche Beziehungen sind zur geschäftlichen Transaktion geworden.26

Rezeption

Vom 7. März 1592 bis zum 1. Juli 1596 wurde das Drama insgesamt 36 Mal aufgeführt, was Henslowe 62 Pfund 2 Shillings 6 Pence einbrachte. Das entsprach dem Einkommen eines Bauarbeiters für drei Jahre und 150 Tage oder dem Preis für sieben Pferde.27 Damit war es sowohl das am häufigsten gespielte als auch das ertragreichste Werk im Henslowe Diary. Die Titelrolle spielte Edward Alleyn. Die Wirkung muss ähnlich enorm gewesen sein wie bei 1 Tamburlaine, denn noch Jahre später beschäftigten die Aufführungen Englands Literaten.

Als Rodrigo Lopez wegen Verrats verurteilt wurde, galt er als Verschwörer im Dienste Spaniens, seine Religionszugehörigkeit war dabei nie ein Thema.28 Dennoch vermutet Margaret Hotine in den Vorstellungen von 1594 gezielte antisemitische Propaganda im Kontext des Verfahrens, das der Öffentlichkeit erst bekannt wurde, als der Arzt in den Tower kam.29 Dem widerspricht, dass die Wiederaufnahme bereits am folgenden Tag stattfand (Henslowe hatte das Stück über ein Jahr nicht gespielt), was ihn – berücksichtigt man die notwendige Probenzeit – als geradezu unheimlich voraussehenden Mann charakterisieren würde.

Den Kessel, der im fünften Akt gebraucht wird, listete Henslowe 1598 in einem Inventarverzeichnis auf. Im Mai 1601 gab er stolze 5 Pfund 10 Shillings für diverse Dinge für The Jew of Malta aus, was für eine Wiederaufnahme sprechen könnte.30

Aus dem Quarto geht hervor, dass die Queen Henrietta’s Men das Stück 1633 in Whitehall und im Cockpit Theatre zeigten, wofür Thomas Heywood jeweils einen Prolog und Epilog schrieb. Charles I. stimmte den Wiederaufnahmen solcher Dramen ihres royalistischen Tenors wegen zu, gestattete damit aber, dass die in der Tudorzeit typischen Angriffe auf den Katholizismus nun gegen ihn verwendet werden konnten.31 Genauso könnten Aufführungen und Druck für eine völlig andere Lesart stehen, bei der nicht die katholisch-protestantischen Divergenzen ausschlaggebend waren, sondern der von Erzbischof William Laud geführte Kampf der englischen Kirche gegen die Calvinisten im Land.32

Während der Restauration blieb auch The Jew of Malta unbeachtet. 1780 brachte Isaac Reed das Drama in der Zweitausgabe von Robert Dodsleys A Select Collection of Old Plays wieder heraus.33 Am 24. April 1818 spielte das Drury Lane Theatre The Jew of Malta mit Edmund Kean in der Titelrolle, der sich das Stück selbst ausgesucht hatte. Trotz des Lobs für seine Darstellung kam es lediglich zu elf Aufführungen, möglicherweise wegen des Unbehagens, das die Produktion sowohl bei den heimlichen Antisemiten als auch bei den erklärten Philosemiten auslöste.34 Immerhin war Marlowe damit auf die englische Bühne zurückgekehrt.

Mittlerweile erweckt das Werk ethische und moralische Einwände, die für das Publikum vergangener Jahrhunderte unvorstellbar waren.35 Ob es sich um ein antisemitisches Drama handelt, ist für Forschung wie Theaterschaffende von zentraler Bedeutung. Blickt man auf die Situation der Juden in England zur Zeit Marlowes, wird klar, dass Antisemitismus in einer Form existierte, die nicht mit dem Rassenwahn des 19. und 20. Jahrhunderts identisch ist. Das Judentum galt als Religion im Widerspruch zum Christentum, ein Konfessionswechsel machte den ehemaligen Juden zu einem vollwertigen Mitglied der christlichen Gemeinschaft, weshalb man bis ca. 1800 von Antijudaismus spricht. Als dieser 1897 längst durch einen rassistisch bedingten Antisemitismus ersetzt worden war, kam Eugen Mory zu dem Schluss, dass weder Shakespeare noch Marlowe jemals wirklich Juden getroffen hätten, denn beide Dramatiker hätten deren rassische Merkmale nicht berücksichtigt.36 Auch den Nazis war Marlowe nicht antisemitisch genug, spielten sie sein Stück doch lediglich in einer Umarbeitung. Otto C. A. zur Nedden, Dramaturg des Deutschen Nationaltheaters in Weimar, fabrizierte 1939 Der Jude von Malta. Schauspiel in fünf Akten nach der Idee von Christoph Marlow,37 das dort im März desselben Jahres uraufgeführt wurde, in der Regie von Lutz Heinle und mit Walter Grüntzig in der Titelrolle.38 Die Prosa-Bearbeitung wird den ideologischen Anforderungen ihrer Entstehungszeit in jeder Hinsicht gerecht.39 Dem Burgtheater schlug Heinrich Himmler in einem Telegramm vom 24. April 1939 die Aufführung vor,40 und der Werkverlag wollte die Version gerne an den Münchner Kammerspielen sehen. Der dortige Dramaturg verwies allerdings erfolgreich darauf, dass zur Neddens Adaption Marlowe nicht angemessen sei.41

Damit ist The Jew of Malta kein vom Nationalsozialismus instrumentalisiertes Werk wie etwa die Opern Richard Wagners. Rein inhaltlich werden Vertreter der drei Weltreligionen gezeigt, wobei eindeutig die Muslime am besten wegkommen. Sie sind kompromissbereit, fair und vertragstreu, was ihnen im christlich regierten Malta nur Verdruss bringt. Dass Religion in diesem Drama hauptsächlich Mittel zum Zweck ist und die Häufung antisemitischer Stereotype nicht zwingend auf den Juden Barabas zurückfällt, akzeptieren mittlerweile auch Kommentatoren im deutschsprachigen Raum. Joachim Zelter etwa hält fest, dass Barabas im Zentrum aller Aktivitäten steht und weniger Objekt als Subjekt dieser Klischees ist, was die übliche Blickrichtung umkehrt. Nicht die herrschenden Verhältnisse blicken auf einen jüdischen Außenseiter, sondern der Außenseiter kritisch auf das Christentum.42

Die entscheidende Frage sollte also nicht lauten, ob man das Drama zeigen kann, sondern wie man es zeigt, denn das Stück ist, im Gegensatz zu Veit Harlans Jud Süss, kein Propagandawerk im Auftrag des Staats, das antisemitische Ressentiments schüren soll.

Übersetzungen

Erzherzog Ferdinand berief 1607 eine Truppe englischer Schauspieler unter der Leitung von John Green an den Grazer Hof. Als er zum Reichstag nach Regensburg aufbrach, begleiteten sie ihn zumindest bis Passau, wo sein Bruder Leopold als Bischof residierte. Dort führten sie Ende November unter anderem die Comedi von dem Juden auf, mit ziemlicher Sicherheit The Jew of Malta. Im Jahr darauf spielte Greens Truppe wieder in Graz, wo die Verlobung von Ferdinands Schwester Maria Magdalena mit Cosimo II. de' Medici gefeiert wurde. In einem Brief an ihren Bruder schrieb sie: "[…] am pfingsttag haben sy die von dem Juden gehalten, die sie auch zu passau gehalten haben; […]"43 Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest Teile in Übersetzung gezeigt wurden, ist groß.

Das Drama hielt sich im deutschsprachigen Raum. Am 31. Juli und 29. August 1626 wurde es in Dresden gezeigt, im Mai 1651 suchte Johann Schilling in Prag um die Erlaubnis an, einige Theaterstücke aufzuführen, darunter Der Jude von Malta. Im Laufe der Zeit verschmolzen mehrere Stücke und Handlungsstränge zu einem neuen Werk, das durch Übersetzung oder Bearbeitung zusätzlich verfremdet wurde, wie das Bühnenmanuskript Comoedia Genandt dass Wohl Gesprochene Uhrtheil Eynes Weiblichen Studenten oder Der Jud Von Venedig vom Ende des 17. Jahrhunderts zeigt, das Elemente aus The Jew of Malta und The Merchant of Venice enthält.44

Allgemein ist nachzulesen, die erste deutsche Druckfassung stamme 1831 von Karl Eduard von Bülow.45 Tatsächlich existierte bereits 1808 eine von Karl Ludwig Kannegiesser.46 Drei Jahre nach Erich Frieds Tod wurde seine im Nachlass gefundene Übertragung herausgebracht.47 Als Peter Zadek das Stück 2001 am Burgtheater inszenierte, wollte er eine neue Übersetzung von Elfriede Jelinek, die bis dahin hauptsächlich aus dem Französischen übersetzt hatte. Da ihre Englischkenntnisse nicht ausreichten, arbeitete sie mit Karin Rausch zusammen. Erschienen ist diese Übersetzung bis heute nur im Programmheft.48 Für Jussenhoven & Fischer übertrug Wolfgang Swaczynna Die berühmte Tragödie von dem reichen Juden von Malta, die der Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage 2008 in seinen Katalog aufnahm. Bruno Max eröffnete am 10. Jänner 1995 das Scala Theater in Wien mit Der Jude von Malta. Laut Auskunft des Hauses hatte er das Stück selbst übersetzt.

Bearbeitungen in anderen Medien

Am 27. April 2002 hatte anlässlich der 8. Münchner Biennale die Kammeroper Der Jude von Malta ihre Uraufführung. Komponist André Werner schrieb auch das Libretto und stützte sich dabei auf Bülows Übersetzung. Das 75-minütige Werk wurde von Stefan Herheim in einer Ausstattung von Jan A. Schroeder inszeniert.

Trotz Aufführungen mit namhaften Darstellern wie Alun Armstrong oder F. Murray Abraham wurde nie eine Theaterproduktion aufgezeichnet. Douglas Morse verfilmte das Stück 2012 mit Seth Duerr in der Titelrolle. Der Film dürfte in Europa nicht in die Kinos gekommen sein und erschien nie auf DVD.49 Im Herbst 1993 sendete BBC Radio 3 eine Hörspielversion mit Ian McDiarmid als Barabas.


Aktualisiert am 26.07.2026

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