England 1307-1330

Edward I.

1066 gewann der Normanne Guillaume le Conquérant bzw. William the Conqueror die Schlacht von Hastings und begründete damit die normannische Herrschaft über das angelsächsische England. Daraus entstand die bizarre Situation, dass Guillaume, Herzog der Normandie und Vasall des französischen Königs, als William I., König von England, diesem gleichgestellt war. Unter Henry II. Plantagenet reichten die Besitzungen des englischen Königs von den Pyrenäen bis zum Ärmelkanal, während die Könige Frankreichs über einige Quadratkilometer Krondomäne herrschten. Philippe II. gelang es, den Nachkommen Henry II. einen großen Teil dieses Gebiets zu entreißen. Die Streitigkeiten wurden 1259 im Frieden von Paris zwischen Henry III. und Louis IX. endgültig beigelegt. Der englische Monarch verzichtete auf die Normandie, Anjou, Touraine und Poitou, bekam dafür Teile Aquitaniens, die Gascogne sowie einige weitere Gebiete, musste dem französischen Herrscher jedoch huldigen. Der Konflikt brach erneut aus, als sich mit Edward I. und Philippe IV. zwei ebenbürtige Könige gegenüberstanden. Damit der Kampf um die Gascogne beigelegt werden könne, riet Papst Bonifaz VIII. zu einer Doppelhochzeit. Edward I., dessen erste Frau Eleanor von Kastilien 1290 verstorben war, sollte Marguerite, eine Halbschwester Philippe IV., heiraten. Darüber hinaus sollte Edwards Sohn Isabella (Isabeau), die Tochter des französischen Königs, ehelichen, sobald sie das heiratsfähige Alter erreichen würde. Eine Aussöhnung mit Frankreich war naheliegend, denn in den letzten zehn Jahren seiner Regentschaft führte Edward I. Krieg mit Schottland.

Schottland

1286 war Alexander III. gestorben. Aus seiner Ehe mit Margaret, einer Schwester Edward I., waren drei Kinder hervorgegangen. Die älteste Tochter hatte Erik II. von Norwegen geheiratet, mit dem sie eine Tochter namens Margaret hatte. Diese war seit 1284 die einzige Erbin des schottischen Königs, und mit ihrem Tod sechs Jahre später begann der Streit um den Thron. Robert Bruce und John Balliol setzten sich als Bewerber durch, doch die Schotten konnten sich auf keinen einigen und baten Edward I., als Schiedsrichter zu fungieren. Seine Wahl fiel auf Balliol, weil er sich von ihm eine englandfreundliche Regentschaft erhoffte. Als der englische König 1296 von den Schotten militärische Hilfe im Kampf gegen Frankreich erwartete, wurde er enttäuscht. Darauf marschierte Edward I. in Schottland ein, nahm Balliol gefangen und machte sich selbst zum Oberlehensherrn. Die Schotten setzten der englischen Herrschaft einen ungewöhnlich hartnäckigen Widerstand entgegen. 1297 fügten Andrew de Moray und William Wallace den Engländern bei Stirling Bridge eine vernichtende Niederlage zu, worauf England ein Jahr später mit der Schlacht von Falkirk reagierte und der schottischen Widerstandsbewegung einen schweren Schlag versetzte. Wallace musste sich zurückziehen, wurde einige Jahre später an die Engländer verraten und 1305 in London hingerichtet. Damit hatte Schottland seinen Märtyrer, und der Kampf um die Unabhängigkeit begann von neuem. Diesmal übernahm Robert Bruce, der Enkel des Thronanwärters von 1290, die Führung. Er ließ sich 1306 zum König von Schottland krönen und begann im Jahr darauf mit der Rückeroberung seines Landes.

Edward II. und Piers Gaveston (1305-1312)

Edward I. starb am 7. Juli 1307. Sein Sohn Edward II. trat ein schweres Erbe an, kümmerte sich zunächst jedoch um Persönliches, indem er als eine seiner ersten Amtshandlungen seinen Favoriten Piers Gaveston aus jener vorübergehenden Verbannung zurückholte, in die ihn Edward I. geschickt hatte. Die wahre Natur des Verhältnisses zwischen Edward II. und Gaveston ist bis heute ungeklärt. Immerhin hielt es den König nicht davon ab, wie vereinbart am 25. Jänner 1308 Isabella (Isabeau), die Tochter des französischen Königs Philippe IV., zu heiraten. Wahrscheinlich hatte niemand sie über Gaveston und ihren Gatten aufgeklärt. Sie war jedenfalls klug genug, um es nie zu einer offenen Konfrontation mit dem Favoriten kommen zu lassen. Englands führende Adelige waren nicht so milde gestimmt. Schon gegen Ende der Regentschaft Edwards I. war es zu schweren Konflikten zwischen ihm, dem Adel und der Kirche gekommen, und sein Nachfolger erbte nicht nur diese innen- und außenpolitischen Spannungen, sondern auch die schweren ökonomischen Probleme des Landes. Da ihm die Stärke und Energie seines Vaters fehlten und er in allem Gaveston bevorzugte, der innerhalb weniger Monate mit Titeln, Land und Schmuck überhäuft worden war, fühlten sich die Lords ausreichend motiviert, etwas gegen den König zu unternehmen. Vorläufig gelang es ihnen, den Favoriten ins Exil zu schicken. Edward II. bemühte sich unablässig um seine Rückkehr, die ihm dank einer Zusicherung des Papstes im Juni 1309 tatsächlich gelang. Gaveston machte keine Anstalten, sich mit dem Adel auszusöhnen, sondern brüskierte ihn nur noch mehr. Die Adelsopposition bestand auf der Einsetzung einer Kommission, die umfassende Reformen durchführen sollte. Unter der Leitung von Henry de Lacy, Earl von Lincoln, wurden 21 Adelige und Bischöfe in das Komitee gewählt. Mitglieder des Unterhauses waren nicht darin vertreten. Der ursprünglich moderate Ton verschärfte sich, nachdem Lincoln im Februar 1311 gestorben war und sein Schwiegersohn Thomas Plantagenet, Earl von Lancaster die Führung übernommen hatte. Im Oktober wurden 41 Artikel vorgelegt, die eine massive Beschränkung der königlichen Rechte zugunsten des Adels beinhalteten. Die Position des Königs war so schwach, dass er diese sogenannten Ordinances und ein erneutes Exil Gavestons akzeptieren musste. Anfang 1312 nahm Edward II. Gaveston in allen Ehren wieder auf, im Bewusstsein, damit einen Bürgerkrieg zu riskieren. Die Lords griffen sofort zu den Waffen. Edward II. und Gaveston mussten fliehen. Während der König neue Truppen ausheben wollte, verschanzte sich Gaveston in Scarborough. Die Burg konnte der Belagerung nicht lange standhalten, weshalb Gaveston sich im Mai dem Earl von Pembroke unter ehrenvollen Bedingungen ergab. Die ganze Angelegenheit sollte vor dem Parlament verhandelt werden, wozu es aber nie kam. Ohne Pembrokes Wissen wurde Gaveston entführt und auf Betreiben einiger führender Lords am 19. Juni 1312 getötet.

Der Thronfolger, Bannockburn und die Hungersnot (1312-1317)

Gavestons Ermordung spaltete den Adel. Etliche Lords unterstützten von nun an den König. Mit Hilfe Frankreichs und des päpstlichen Legaten wurde im Dezember der Konflikt friedlich beigelegt, wobei Lancasters Partei eine volle Begnadigung erfuhr. Während dieser turbulenten Zeit kam am 13. November 1312 der Thronfolger zur Welt. Edward II. war hocherfreut über den Sohn, der auf seinen Namen getauft wurde. Bis 1313 war es dem König gelungen, seine innen- wie außenpolitische Position zu festigen, und durch parlamentarische Zugeständnisse sowie neue Kredite zeichnete sich zudem eine Verbesserung der ökonomischen Situation ab. Dann folgte der herbe Rückschlag.

Unter Edward II. war es den Schotten nicht nur gelungen, die Engländer fast gänzlich aus ihrem Land zu vertreiben, sondern ihre militärischen Übergriffe auch auf englisches Hoheitsgebiet auszudehnen. Der König rüstete daher im Sommer zu einem endgültigen Gegenschlag. Eine Armee von etwa 19.000 Mann marschierte Richtung Schottland. Die Engländer waren dem Feind zahlenmäßig 1:2, wenn nicht sogar 1:3 überlegen, die Schotten dafür in der taktisch besseren Stellung. Die Schlacht von Bannockburn dauerte vom 23. bis zum 24. Juni 1314 und ging als eine der größten Niederlagen in die englische Geschichte ein. Edward II. musste das Schlachtfeld fluchtartig verlassen, von seiner Armee schaffte es weniger als ein Drittel zurück nach England.

Die Stellung des Königs gegenüber dem Parlament war durch dieses Desaster wieder schwächer geworden. Der Earl von Lancaster übernahm de facto die Regierungsgewalt, zog sich bald wieder zurück und bot keinen Ausweg aus der Krise, was selbst die Lords bald einsehen mussten. Hinzu kam die Hungersnot, die zwischen 1315 und 1317 den Norden Europas heimsuchte. Die von der Krone dagegen eingeleiteten Maßnahmen blieben wenig erfolgreich. Adel, Klerus und Bevölkerung empfanden diese Katastrophen als Strafe Gottes für das unpassende, eines Herrschers unwürdige Verhalten des Königs.

Die Marcher Lords und der Despenser-Krieg (1318-1322)

Obwohl der Krone eine durchwegs ablehnende Stimmung entgegenschlug, wurde die nächste große Eskalation von zwei Männern ausgelöst: Hugh Despenser jr. und seinem Vater (Hugh Despenser sr.). Dem jüngeren Despenser wäre nach dem Tod seines Schwagers Gilbert de Clare, Earl von Gloucester, das Drittel der Erbschaft zugestanden, das auf seine Frau Eleanor de Clare entfallen sollte. Doch damit wollte er sich keineswegs zufriedengeben. Er gierte geradezu nach persönlichem Besitz, was ihn zunächst in Konflikt mit den anderen Erben und in weiterer Folge mit den sogenannten Marcher Lords, den Markgrafen, brachte. Sie hatten ihre Ländereien an der Grenze zu Wales, wo sie beinahe autonom herrschten, von Steuern ausgenommen waren und über Rechte verfügten, die in England sonst nur dem König zustanden.

"The personal nightmare of any medieval landowner, […] was that one of his neighbours should become so powerful that he would be able to ride with armed men into his ancestral lands and disseise [sic!] him of them. This could happen in one of two circumstances. The first was that the neighbour became a royal favourite so that nobody dared to challenge him. The second was that the character of the king had so diminished royal authority that the neighbour no longer feared the king’s wrath […]."1

Genau diesen Tatsachen mussten sich die Nachbarn der Despensers unter Edward II. stellen. 1318 wurde Hugh Despenser jr. zum königlichen Kämmerer ernannt und machte sich innerhalb weniger Monate beim König unentbehrlich. Gaveston hatte für den Adel bestenfalls Verachtung übriggehabt, wovon sich die Lords beleidigt gefühlt hatten. Die Despensers hingegen verlangten deren Besitz, was sie zu einer existenziellen Bedrohung machte.

1320 kehrte Roger Mortimer aus Irland zurück, wo er in den letzten Jahren gegen die Schotten gekämpft hatte. Obwohl er nicht zu den mächtigsten Marcher Lords zählte, war er der einzige englische Magnat, der etliche militärische Erfolge vorweisen konnte. Zwischen den Mortimers und den Despensers bestand seit Jahrzehnten eine Familienfehde, die sich angesichts der Lage in England noch verschärfte.

Bevor es zum Äußersten kam, intervenierte der Earl von Pembroke. Er überredete den König im August 1321, die beiden Despensers ins Exil zu schicken. Sie kehrten allerdings im Dezember zurück, worauf königliche Truppen Richtung Wales marschierten. Der Earl von Lancaster verweigerte zunächst seine Hilfe, weshalb sich Mortimer samt etlichen anderen Marcher Lords am 22. Jänner 1322 ergeben musste. Mittlerweile hatte selbst Lancaster erkannt, dass Edward II. nicht aufzuhalten war. Er versuchte, Hilfe von den Schotten zu bekommen, musste sich aber am 16. März erfolglos der Armee des Königs bei Boroughbridge stellen.

Der nicht gerade erfolgsverwöhnte Edward II. verfiel in einen Machtrausch. Er widerrief die Ordinances von 1311, ließ Lancaster nach einer juristisch sehr fragwürdigen Verhandlung enthaupten und ordnete die Exekutionen zahlreicher namhafter Lords an. Wer der Hinrichtungswelle entging, wurde auf unbestimmte Zeit weggesperrt. Dabei schreckte der königliche Zorn selbst vor den Angehörigen der Aufständischen nicht zurück. Familien wurden getrennt, adelige Mütter, Ehefrauen und Kinder über das ganze Land verteilt, in Schlössern oder Klöstern inhaftiert. Noch nie zuvor war ein englischer Herrscher derart gegen seine Untertanen vorgegangen. Dabei wurde er tatkräftig von den Despensers unterstützt. Die folgenden vier Jahre herrschten sie nahezu unangefochten. Sie waren fähige Verwalter, bereicherten sich dafür aber schamlos am Besitz anderer und schreckten dabei auch vor Erpressung, Folter und Mord nicht zurück. Edward II., der seit seiner Thronbesteigung an Geldmangel gelitten hatte, wurde von der Gier seines Günstlings angesteckt. Während dieser immer mehr Land in Besitz nahm, hortete der König Geld. Bereits 1323 waren die Finanzen saniert, ohne dass das Volk davon etwas gemerkt hätte. Vier Jahre später verfügte Edward II. über finanzielle Rücklagen in der Höhe von fast zwei vollständigen Jahreseinnahmen.

Der Konflikt mit der Königin (1323-1326)

Im Gegensatz zu Gaveston, der Isabella nur ignoriert hatte, setzte Despenser alles daran, die Ehe Edward II. zu zerstören. Unterstützt wurde er dabei von einer massiven Verschlechterung in den englisch-französischen Beziehungen. Isabellas Bruder Charles IV. verlangte von seinem Schwager die Huldigung für die englischen Lehen in Frankreich, Edward II. leistete dem Wunsch aber keine Folge. 1324 eskalierte die Situation, und Frankreich besetzte die Gascogne. Um den Konflikt zu beenden, bot Charles IV. an, alle okkupierten Gebiete zu räumen, wenn Edward II. seinen Sohn zum Herzog von Aquitanien machen würde und dieser mit seiner Mutter nach Frankreich käme, um den Lehenseid zu leisten. Dass Edward II. dem zustimmte, erscheint rückblickend völlig unverständlich, war aber damals in den Augen Despensers die einzige Lösung. Einerseits wollte er den König nicht allein nach Frankreich lassen, da er ihn dort nicht mehr unter Kontrolle gehabt hätte, andererseits konnte er ihn nicht begleiten, weil das einem Machtverlust in England gleichgekommen wäre. So segelte Isabella am 9. März 1325 nach Frankreich, im September folgte ihr Prinz Edward. Man war in England davon ausgegangen, dass beide nach Abschluss eines Vertrags und der Huldigung zurückkämen, doch Isabella dachte gar nicht daran. Sie verweigerte ihre eigene Rückkehr wie die ihres Sohnes, solange Edward II. sich nicht von Despenser getrennt hatte. Der König war nicht gewillt, das Ultimatum seiner Frau zu erfüllen, sondern beharrte auf ihrer Heimkehr – doch Isabella hatte andere Pläne. Gemeinsam mit etlichen Adeligen, darunter Mortimer, die aus England geflohen waren, sicherte sie sich bei ihrem Bruder sowie ihrer Cousine Jeanne de Valois die Unterstützung für eine Invasion Englands. Sie schloss einen Vertrag mit Jeannes Gatten, dem Grafen Willem I. von Holland, Zeeland und Hennegau, von dessen Gebiet aus das Unternehmen starten sollte. Darin inkludiert war die Heirat des englischen Thronfolgers Edward mit Willems Tochter Philippa. Ungefähr zu dieser Zeit wusste man in Frankreich wie in England bereits von einem Verhältnis zwischen Isabella und Mortimer.

Der Kampf gegen die Despensers und der Tod Edwards II. (1326-1327)

Am 22. September 1326 stach Isabella unter der Führung von Jan von Beaumont, einem Bruder Willem I., mit einer Armee bei Dordrecht in See. In England gelandet, erhielt sie überall Unterstützung und Zuspruch. Fast der gesamte Adel sowie die Geistlichkeit schlossen sich ihr an. Auch in der Bevölkerung hatte Edward II. keinen Rückhalt. Er wurde in Wales von den Verbündeten Isabellas aufgegriffen. Das Land hatte nun einen König, der über keine Regierungsgewalt verfügte, aber ohne den trotzdem nicht regiert werden konnte. Im Jänner 1327 schickte Isabella Unterhändler zu Edward II., die ihn überreden sollten, vor dem Parlament öffentlich abzudanken. Er lehnte ab, wodurch ein Parlament gar nicht erst hätte zustande kommen dürfen, da einzig der König zu dessen Einberufung berechtigt war. Dennoch kamen die Abgeordneten in Westminster zusammen und beschlossen, dass Edward II. abgesetzt und durch seinen Sohn ersetzt werden sollte. Prinz Edward wollte die Krone nur annehmen, falls sein Vater darauf verzichten würde, was dieser nach wiederholtem Weigern am 20. Jänner 1327 schließlich tat. Im April wurde der abgesetzte König nach Berkeley gebracht, wo er laut offiziellen Angaben am 21. September 1327 einer Krankheit erlag.

Der Vertrag von Edinburgh und die französische Thronfolge (1327-1328)

Am 1. Februar 1327 fand die Krönung Edward III. statt, der in seinem Reich fast so wenig zu sagen hatte wie sein Vater. Die Historiker sind uneins, wer in den ersten Jahren der neuen Regentschaft tatsächlich die Macht ausübte. Mortimers Beziehung zu Isabella blieb bestehen, doch er verfügte über kein offizielles Amt und war nicht einmal Mitglied des mehrköpfigen Rats, der dem noch minderjährigen König zur Seite stand. Dessen ungeachtet begegnete man ihm, als zählte er zur königlichen Familie. Direkte Einflussnahme auf den König konnte er nur über dessen Mutter ausüben, die ein gutes Verhältnis zu ihrem Sohn hatte.

Den Wechsel der Machtverhältnisse machten sich die Schotten zunutze und fielen in Ulster und Nordengland ein. Unter der Führung Mortimers wollte England zurückschlagen, doch als Edward III. am 4. August 1327 bei Stanhope Park beinahe dem Feind in die Hände gefallen wäre, dachte man über Friedensverhandlungen nach. Sie endeten am 3. Mai 1328 mit der Ratifizierung des Vertrags von Edinburgh durch das englische Parlament in Northampton. England erkannte darin Schottland als unabhängiges und souveränes Königreich an. Trotz schottischer Reparationszahlungen war dieser Vertrag in England sehr unpopulär, und Edward III. verhehlte nicht, dass es sich in seinen Augen um einen schmachvollen Frieden handelte.

Ein wichtiger Grund für den Abschluss eines solchen Vertrags war wohl die veränderte Lage in Frankreich. Am 1. Februar 1328 starb Charles IV., Isabellas letzter Bruder, ohne männlichen Nachkommen. Mit der Berufung auf das Salische Gesetz waren zwar Frauen von der französischen Thronfolge ausgeschlossen, doch war nicht geklärt, ob die Krone an einen Mann gehen könne, der nur über eine weibliche Linie mit dem Königshaus verwandt war. Dadurch würde der nächste männliche Verwandte, Philippe de Valois, ein Cousin Isabellas, in der Thronfolge hinter Edward III. rangieren, der seinen Anspruch auf die französische Krone erklärte. In Frankreich entschied eine Expertenkommission, dass Frauen, die selbst kein Erbrecht besitzen, dieses auch nicht weitervererben können. Am 29. Mai 1328 wurde Philippe VI. in Reims gekrönt, und Edward III. stimmte dem unter Vorbehalt zu, indem er den Lehenseid leistete.

Aufstand und der Sturz Mortimers (1328-1330)

Isabella, die weiterhin auf die französische Krone hoffte, wollte für eventuelle militärische Interventionen den Rücken freihaben, weshalb ihr der Friede mit Schottland gelegen kam. Die Engländer hatten für diese dynastischen Überlegungen kein Verständnis. Selbst wenn sie die Franzosen nicht mochten, waren seit Jahrzehnten die Schotten ihre unmittelbaren Feinde gewesen. Nicht nur das Volk, auch viele Mitglieder des Adels lehnten den Vertrag von Edinburgh-Northampton ab, da etliche von ihnen durch die Festlegung der Grenze große Ländereien verloren hatten. Unter der Führung des Earls von Leicester entstand eine Opposition, der sich unter anderem die Onkel Edward III., der Earl von Norfolk und der Earl von Kent, anschlossen. Letzterer kam aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen zu der Überzeugung, sein Halbbruder Edward II. wäre noch am Leben und würde von Mortimer nur gefangen gehalten. Er nahm an den Vorbereitungen zu einer Befreiungsaktion teil, wovon Mortimer bald erfuhr. Nachdem unwiderlegbare Beweise für die Mittäterschaft Kents präsentiert worden waren, verurteilte das Parlament ihn in einer gesetzlich sehr fragwürdigen Aktion zum Tode. Obwohl Kent nie beliebt gewesen war, ließ seine Hinrichtung 1330 die letzten Sympathien verschwinden, die Isabella und Mortimer noch genossen hatten. Den Engländern wurde bewusst, dass sie unter der neuen Herrschaft ihres Lebens genauso unsicher waren wie zuvor. Darüber hinaus legte Mortimer ein so habgieriges und arrogantes Verhalten an den Tag, wie man es von den Günstlingen Edward II. gewohnt war.

Im Juni 1330 wurde Edward III., der bereits alle Erwartungen erfüllt hatte, die man an einen jungen Herrscher stellte, stolzer Vater eines Sohnes. Nun musste der König nur noch Mortimer loswerden. Er ließ ihn ohne Vorwarnung in der Nacht des 19. Oktobers verhaften. Am Tag darauf gab Edward III. offiziell bekannt, er werde von nun an selbständig regieren. Mortimer wurde wegen Verrats verurteilt und am 29. November 1330 hingerichtet.

Ausblick

Edward III. geriet mehr nach seinem Großvater als nach seinem Vater. Seine noch 47 Jahre andauernde Herrschaft wird bis heute überwiegend positiv betrachtet, welthistorische Bedeutung erreichte er durch seine Außenpolitik. Das Verhältnis zwischen England und Frankreich blieb wegen Besitzstreitigkeiten und der Intervention in die schottische Erbfolge gespannt. Am 24. Mai 1337 konfiszierte Philippe VI. Teile des englischen Lehens, worauf Edward III. das Treueverhältnis kündigte und sich von nun an auch König von Frankreich nannte: Der Hundertjährige Krieg hatte begonnen. Ab 1371 schien Edward III. an Altersdemenz zu leiden. 1376 starb der Prince of Wales, worauf der König dessen ältesten überlebenden Sohn Richard zu seinem Erben bestimmte. Richard II. sollte sich in mancherlei Hinsicht als würdiger Urenkel Edward II. erweisen, doch diese Geschichte wurde von einem anderen elisabethanischen Dramatiker erzählt.


Aktualisiert am 24.09.2026

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